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„Ich will keine Panik schüren“ – Einblicke in systemrelevante Berufe

„Ich will keine Panik schüren“ – Einblicke in systemrelevante Berufe

Alle reden derzeit von „systemrelevanten“ Berufen – gemeint sind Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen, Lehrer*innen und all diejenigen, die jetzt in der Krise den Laden am Laufen halten. Wir wollten wissen, wie die Arbeit in diesen Berufen derzeit aussieht und was Corona für jede*n einzelne*n bedeutet. Heute: TV-Journalistin Nadine Schullerus

Nadine Schullerus, 38 Jahre

arbeitet als TV-Journalistin für RTL & ntv in Berlin

“Wenn ich die letzten Wochen erinnere, lande ich meist bei der ersten Ansprache der Kanzlerin. Sie, die sich sonst nur an Neujahr so an die Bevölkerung wendet, spricht zu allen. Da dachte ich: Okay, jetzt dürften auch die Letzten verstanden haben, dass die Lage ernst ist. Unser Redaktionsalltag ist zwar nicht unbedingt ernster als in anderen Krisensituationen, wir berichten nicht anders – aber er ist einsamer. Und die Wege, die zu den Berichten führen, sind natürlich ganz andere und vor allem aufwendiger und komplizierter. Ich bin erstaunt, wie gut Fernsehen Machen von zuhause aus funktioniert, technisch betrachtet. Aber ich vermisse die sozialen Kontakte sehr. Ich brauche den Austausch über den Alltag, das gemeinsame Einordnen der Geschehnisse. Für mich wäre von Zuhause aus zu arbeiten definitiv keine langfristige Option. 

“Der gesamte Berliner Politikbetrieb wurde schnell und reibungslos runtergefahren.”

Nadine Schullerus, TV-Journalistin

Wenn jetzt Drehtage anstehen und ich – natürlich mit Sicherheitsabstand – Interviews führe oder für eine Live-Schalte vor dem Kanzleramt stehe, freue ich mich richtig. Vieles läuft aktuell anders: Wir verkabeln uns selbst, es gibt keine Maske mehr, Konferenzen gibt’s per Videoschalte. Sowieso stehen insgesamt weniger Politik-Interviews an, denn viele sind gar nicht mehr in der Stadt. Da helfen wir uns mit Interviews via Skype. Der gesamte Berliner Politikbetrieb wurde überraschend schnell und reibungslos runtergefahren beziehungsweise angepasst. Bei den Bundespressekonferenzen sitzen sehr viel weniger Journalist*innen im Raum, auch hier natürlich alle auf Abstand zueinander, die meisten Fragen werden online gestellt – das alles hat sich erstaunlich schnell eingespielt. 

Grundsätzlich spüren wir einen enormen Informationsbedarf bei den Menschen. Das sieht man auch an den sehr guten Quoten unserer Nachrichtensendungen. Inhaltlich ist es die gleiche Herausforderung wie immer in Krisenzeiten: Ich will inhaltlich fundiert informieren, die Ernsthaftigkeit transportieren, aber keine Panik schüren. Ausnahmesituationen, die viel Berichterstattung erfordern, gab es immer schon, deshalb blicke ich jetzt nicht anders als früher auf meinen Job. Aber überhaupt nicht zu wissen, wie lange diese Situation anhält, das ist neu. Es ist beklemmend und ich verstehe, wenn das Menschen Angst macht.”