„Mein Arbeitsleben ist nicht nachhaltig“ – ein Gespräch mit Anna Peters und Paul Berg

„Mein Arbeitsleben ist nicht nachhaltig“ – ein Gespräch mit Anna Peters und Paul Berg

In Zusammenarbeit mit everyworks blicken wir auf die Megatrends der Arbeitswelt. In Folge 02 unserer Interview-Serie stellen wir uns gemeinsam mit Anna Peters, Bundessprecherin der Grünen Jugend, und Good Jobs Co-Gründer Paul Berg der These: Die Zukunft der Arbeit ist nachhaltig. Wie nachhaltig ist unsere Arbeitswelt bislang, wie nachhaltig muss sie werden? Und wie kommen wir dahin? Und vor allem: Was verstehen wir überhaupt unter einem nachhaltigen Arbeitsplatz?

Es ist Anfang Juli und wir haben richtig Glück: Gerade noch so konnten wir einen der wenigen freien Slots im Terminkalender der 25-jährigen Anna Peters erwischen, denn noch ist nicht Wahlkampf-High-Noon. Doch als Bundessprecherin der Grünen Jugend und VWL-Studentin ist Annas Tagesablauf auch im noch soften Wahlkampfmodus eng getaktet. Heute Abend eine Abgabe für die Uni, zwischendurch Sitzungen, davor: Interview mit uns bei everyworks – dem Co-Working Space der Deutschen Bahn.

Zusammen mit ihr und Paul Berg, dem Co-Gründer der Job-Plattform Good Jobs, wollen wir heute über die These diskutieren: „Die Zukunft der Arbeit ist nachhaltig“. Doch bevor wir thematisch so richtig einsteigen, will Paul noch eben von Anna wissen, ob das überhaupt noch attraktiv sei zu studieren und das bis zum Schluss: „In der Wirtschaft sagt man ja, die Abbrecher seien die Erfolgreichsten. Wäre das für Politik nicht auch das bessere Modell? Ohne Abschlussarbeit bietet man weniger Angriffsfläche.“ Anna lacht, bleibt aber dabei: Der Masterabschluss ist das Ziel. Politik als Hauptstandbein sei schließlich nie eine sichere Angelegenheit. Erschreckend konservativ findet Paul das. Bevor das Gespräch abdriftet, legen wir los:

Wir möchten heute mit Euch über das Thema “Nachhaltigkeit in der Arbeitswelt der Zukunft” diskutieren. Lasst uns erstmal definieren: Was versteht Ihr unter einem nachhaltigen Arbeitsplatz?

Anna Peters: Für mich ist ein Arbeitsplatz nachhaltig, wenn er Antworten auf die großen Fragen zur Zukunft unseres Landes und unseres Planeten gibt: Wie muss sich Mobilität ändern? Wie muss sich der Industriestandort Deutschland ändern? Ein Arbeitsplatz ist nachhaltig, wenn er neben den ökologischen auch die wichtigen gesellschaftlichen Themen mit einbezieht: Die 40-Stunden-Woche führt aktuell dazu, dass Frauen eher Teilzeit und Männer eher Vollzeit arbeiten. Nachhaltig ist ein Arbeitsplatz aber nur, wenn er ein gerechtes gesellschaftliches Zusammenleben ermöglicht, wenn er die weibliche Perspektive miteinbezieht – beispielsweise durch flexible Arbeitszeitmodelle für beide Geschlechter.

Paul Berg: Bei GoodJobs stellen wir uns jeden Tag die Frage, was nachhaltige Jobs sind, und welchen Firmen wir eine Plattform geben. Für uns ist es ein unumstößliches Kriterium, dass die Organisation mindestens eins der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN zu erreichen versucht. Dabei ist der interne Impact eines Arbeitsplatzes für uns genauso wichtig wie der externe Impact: Mitarbeitende dürfen nicht ausgebeutet werden, der Job muss vereinbar mit der Familie und anderen Nebeninteressen sein, wir wollen keine klassischen Hierarchiemodelle fördern und auch keine Intransparenz, wie sie größtenteils in der Arbeitswelt noch vorherrscht.

„Für mich ist ein Arbeitsplatz nachhaltig, wenn er Antworten auf die großen Fragen zur Zukunft unseres Planeten, unseres Landes und unserer Gesellschaft gibt.“

Anna Peters, Bundessprecherin Grüne Jugend
Wie lebt Ihr persönlich Nachhaltigkeit in Euren eigenen Arbeitsleben?

PB: Auf der Mikroebene machen wir bei GoodJobs wohl fast alles, was geht: Viele Mitarbeitende pendeln mit dem Fahrrad zur Arbeit, wir haben eine Wurmkiste und re-useable Bowles, wenn wir lunchen gehen. Aber der elementare Hebel steckt in den großen Fragen, die nicht das Individuum klärt, sondern die Organisation selbst. Und da versuchen wir mit unserem digitalen Geschäftsmodell ein klimapositives Business aufzustellen. Wir tracken unsere Emissionen, haben aber kaum welche – bis auf die Server, die wir nutzen, und die sind mittlerweile grün.

AP: Mein Arbeitsleben nachhaltig? Leider gar nicht. Und das ist natürlich ein spannender Punkt: Ich setze mich politisch voll für eine gerechtere und damit nachhaltigere Gesellschaft ein, würde aber selbst niemals auf eine 30-Stunden-Woche kommen, wie ich sie für Andere fordere. Mein Arbeitsleben wäre auch nicht vereinbar mit Familie oder anderen Tätigkeiten nebenher. Doch Parteipolitik, mit der man für ein Ziel kämpft, mit all der Öffentlichkeitsarbeit, der politischen Arbeit, der Wahlkampfarbeit, funktioniert aktuell nur 24/7.

Anna, Du erstaunst uns. Zur ökologischen Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz hast Du bislang nicht viel gesagt. Spielt die in der Grünen Jugend keine Rolle?

AP: Natürlich tut sie das. Wir erstatten zum Beispiel fast ausschließlich Kosten von Reisen, die mit der Bahn getätigt wurden. Verpflegung ist ausschließlich vegetarisch. All diese Dinge sind bei uns einfach Voraussetzung.

Ihr seid beide Vertreter*innen einer Generation, die ein hohes Bewusstsein für Nachhaltigkeit mitbringt. Für Euer gemeinsames Ziel bedient Ihr Euch aber unterschiedlicher Werkzeuge: Paul geht den Weg des Unternehmertums, Anna den politischen. Warum glaubt ihr, dass Ihr genau in dieser Rolle etwas bewirken könnt?

AP: Als gebürtige Freiburgerin bin ich geprägt von grünem politischen Aktivismus. Ich war 13 als ich bei Anti-AKW-Demos mitlief, während alle anderen über 60 waren. Als ich ein Jahr in Ohio lebte und immer einen Ride brauchte, egal, wo ich hinwollte, war mir klar, dass ich mich für eine andere Organisation von Mobilität einsetzen will. Dann leugnete mein Chemielehrer den Klimawandel. Immer mehr kam zusammen, ich war wahnsinnig genervt von all den Dingen, die falsch laufen in unserer Gesellschaft und wusste, ich möchte mich hier engagieren. Also bin ich mit 16 zur Grünen Jugend. Für mich war das Hobby, Freizeit, Ehrenamt. Aber dann bin ich schnell in die tiefere Arbeit zu Klima und Ökologie reingerutscht und konnte als Vertreterin der jungen europäischen Jugend zu den UN-Klimakonferenzen reisen. Und dann war mir klar, dass ich es auch mit dem Bundesvorstand versuchen will. Und da bin ich.

PB: Für die Politik hätte ich zu wenig Geduld, vom Feld der Wirtschaft versprach ich mir die meiste Selbstbestimmtheit und die größte Dynamik. Nach ein paar Praktika bei großen Medienhäusern wusste ich, das Digital-Business interessiert mich – aber wie da gearbeitet wird, halte ich nicht aus. Vom Umgang der Leute miteinander bis hin zum Purpose der Organisationen. Dann stieß ich auf dieses Ding namens soziales Unternehmer*innentum und ja, das ist es für mich.

Paul, Du sprichst ganz selbstverständlich vom Purpose einer Organisation als wichtiger Motivator. Viele Studien belegen: Für jüngere Menschen wird immer wichtiger, dass nicht Profit im Zentrum ihres Handelns steht, sondern die Zukunft des Planeten. Seid Ihr mit Eurem Handeln Paradebeispiele Eurer Generation?

PB: Frühere Generationen waren auch politisch aktiv, gerade in Umweltfragen. Doch es gab keine Alternative außerhalb von Politik oder Aktivismus sich für Themen stark zu machen. Mir war auch lange nicht bewusst, dass es Sozialunternehmer*innentum als Werkzeug gibt und dass Unternehmen auch zur Lösung von Problemen beitragen können.

„Mir war lange nicht bewusst, dass es so etwas wie Sozialunternehmer*innentum gibt und dass Unternehmen auch zur Lösung von Problemen beitragen können.“

Paul Berg, Co-Gründer Good Jobs
Halten Unternehmen denn mit der steigenden Nachfrage Schritt, gibt es genügend nachhaltig handelnde Unternehmen?

PB: Der neue Spielraum, der gerade für Unternehmen entsteht, wird noch sehr wenig genutzt. Abgesehen von ein paar Ausnahmen werden Unternehmen eher vom Markt in die Richtung gedrängt. Die meisten, die sich entsprechend branden, machen das, weil sie wissen, wie sehr es ihnen schadet, gar nichts zu machen. Viele schreiben sich Purpose auf die Fahnen, wie aktuell Zalando, die mit einer neuen Kampagne den Begriff der Aktivist*innen strapazieren und so genannte “Activists of Optimism” zusammengebracht haben, um Optimismus zu verbreiten. Natürlich kann jede Organisation etwas finden, womit sie sich als “gut” branden kann. Doch wie viel das mit dem eigentlichen Kerngeschäft zu tun hat, und wie ernst man das meint, ist eine andere Frage.

Paul Berg

Der 29-Jährige ist Co-Gründer von Good Jobs, eine Plattform, auf der ausschließlich nachhaltige und soziale Jobs zu finden sind. Zu Good Jobs gehört auch das Online-Magazin „Good News“ und der Podcast „Geil, Montag“, wo er gemeinsam mit Lasse Kroll, Menschen vorstellt, die für sinnvolle, nachhaltige Job-Ideen brennen.

Ihr beide habt Euch Impact gewünscht, Euch zu engagieren, und habt auch die beruflichen Werkzeuge dafür gefunden. Ihr bewirkt etwas. Wie viele gibt es, die sich mittels Beruf gerne engagieren würden, aber nicht können?

AP: Die Joblage meiner Generation passt nicht nicht zum Narrativ unserer Gesellschaft, uns gehe es so gut wie noch nie und wir hätten noch so viele Möglichkeiten gehabt. Natürlich ist es toll, wenn Unternehmen einen Job mit Sinn versprechen. Aber gesamtgesellschaftlich auf Deutschland oder Europa bezogen, sind durch die Coronakrise vor allem soziale Unsicherheiten dazugekommen, die Leute finden keine Ausbildungsplätze. Es ist sehr ambivalent, welche Erzählung und Sozialisierung wir gerade mitbekommen. Und natürlich ist ein schönes Jobportal ein schöner Anfang. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das ein Akteur auf dem Markt. Durch politische Arbeit müssen wir dafür sorgen, dass es gute Jobs für alle gibt. Dass alle ein Recht haben, Arbeit anders zu organisieren. Wir reden gerade über das Recht auf Home Office, über die Flexibilisierung von Arbeitszeiten, über bessere Vereinbarkeit für Familien. Und darauf antwortet der Arbeitsmarkt für mich noch viel zu wenig.

„Das Angebot nachhaltiger Arbeitgeber*innen ist noch zu gering. Aber man darf den Druck junger Arbeitnehmer*innen nicht unterschätzen. Der ist extrem groß.“

Paul Berg, Co-Gründer Good Jobs
Paul, brauchen wir mehr staatliche Regulierung für Arbeitsmarkt und Unternehmen? Oder vertraust du eher auf die unternehmerische Eigenverantwortung und Regulierung durch den Markt?

PB: Hier braucht es kein Entweder-Oder, sondern ein Zusammenspiel aus beidem. Natürlich braucht es auch Regeln und Verbote. Und es ist definitiv so, wie auch Anna gerade wieder gesagt hat: Das Angebot nachhaltiger Arbeitgeber*innen fällt noch zu gering aus. Aber man darf den Druck, den die Arbeitnehmer*innen auf Unternehmen ausüben nicht unterschätzen, der ist extrem groß. Und man kann auch bei einem klassischen Energieversorger oder Automobilkonzern einen guten, nachhaltigen Job machen, indem man versucht, diese Unternehmen in eine bessere Richtung zu transformieren. Ich finde immer wieder interessant zu sehen, ob in meinem privaten Umfeld oder durch Umfragen, die wir sie zB mit Good Jobs machen: Die wenigsten wissen, dass es für jede Branche in der klassischen Wirtschaft auch ein nachhaltiges Pendant gibt. Ehemalige Kommilitonen, die jetzt als Investmentbanker oder bei Tradingplattformen arbeiten und nicht wissen, dass es nachhaltige Banken und Tadingplattformen gibt. Vielleicht musst du da auf 20 Prozent deines Gehalts verzichten, aber du kannst bei Partys endlich auch frei heraus erzählen, was du machst, und dir keinen zurecht stammeln.

Warum sind die grünen Jobs eigentlich immer noch schlechter bezahlt?

PB: Es gibt ja bereits profitable, nachhaltige Unternehmen, die gute Gehälter zahlen. Aber in der DNA nachhaltiger Unternehmen steht nun mal nicht die Profitmaximierung an erster Stelle, sondern zum Beispiel die Investition in vernünftige Lieferketten. Ernst gemeinte Nachhaltigkeit bringt Kosten mit sich, da bleibt am Ende weniger übrig.

Inwiefern tragen technologische Innovationen wie Digitalisierung, Automatisierung und Dezentralisierung zu mehr Nachhaltigkeit in der Arbeitswelt bei?

AP: Natürlich brauchen wir technologische Innovationen, um die Krisen der Zeit angehen zu können. Wenn ich auf die Parteiarbeit schaue, hat uns Corona zu einer schnelleren Digitalisierung gezwungen. Jetzt müssen wir diesen Fortschritt in neue, kluge Arbeitsgesetze packen. Ein digital gut aufgestelltes Unternehmen sollte nicht die Kirsche auf der Sahnehaube sein. Es sollte zur Norm werden, dass sich Arbeitnehmer*innen nicht mehr für oder gegen Home Office entscheiden müssen. Die große Gefahr, die ich gerade sehe, ist ein Zurückfallen in alte Strukturen.

PB: Ich bin der vollen Überzeugung, dass technische Innovationen und Digitalisierung uns helfen werden, nachhaltiger zu wirtschaften. Die Frage ist, wie wir unsere technologischen Fortschritte in Zukunft moderieren und mögliche Nebeneffekte schon vorab antizipieren können – so wie beispielsweise heute mit der Blockchain-Technologie, die bei allem Fortschritt ja auch ein enormer Energiefresser ist. Vor 100 Jahren konnte man sich die verheerenden Folgen der Automobilindustrie für die Umwelt auch nicht vorstellen. Als Instagram gestartet ist, ahnte niemand, dass die App eine Gefahr für die mentale Gesundheit bedeuten könnte. Diese Rebound-Effekte heißen aber nicht, dass technologischer Fortschritt per se schlecht wäre. Wir müssen nur dringend Systeme schaffen, anhand derer wir jetzt schon die übernächste Technologie antizipieren können.

Anna Peters

Als Bundessprecherin der Grünen Jugend kämpft die 25-Jährige gegen patriarchalische Strukturen und die Klimakrise. Sie fordert, dass junge Menschen bei wichtigen politischen Fragen öfter mit an den Verhandlungstisch geholt werden: „Es ist ein Unding, wie die Politik mit unserer Generation umgeht.“

Paul, bei Good Jobs wählt Ihr die Unternehmen und Jobs, die Ihr auf Eurer Plattform vorstellt nach den eingangs von dir erwähnten Kriterien aus. Wie läuft das ab? Wir haben gelesen, dass Ihr Unternehmen oft aktiv angeht und sie auf deren Nachhaltigkeit hinweist, weil es denen gar nicht bewusst ist.

PB: Viele Unternehmen kommen auf uns zu und sind überrascht, wenn wir sie ablehnen, weil sie nicht unseren Kriterien entsprechen. Aber es geschieht auch andersherum: Die berühmten sustainable hidden champions, die meist nicht aus der Motivation des Sozialunternehmerinnentums gegründet wurden. Mittelständerinnen, die beispielsweise weltmarktführend in bestimmten Recyclingtechnologien sind, aber aus einem Selbstverständnis eher konservative, stolze Unternehmer*innen sind, die sich mit dem Wort Purpose nicht identifizieren können, selbst wenn sie eigentlich hochgradig sinngetriebene Organisationen sind. Denen sagen wir schon, dass diese Werte hochattraktiv für viele in meiner Generation sind. Und wenn sie Talente überzeugen wollen, sollten sie diese Werte auch nach außen kommunizieren und es nicht unbedingt mit dem fetten Firmenwagen und dem 13. Monatsgehalt versuchen.

„Es wird nicht passieren, dass irgendwann mal alle Jobs nachhaltig sind. Vielleicht klimaneutral – ja. Aber wir wissen ja, dass das nicht mehr reicht.“

Paul Berg, Co-Gründer Good Jobs
Nun gibt es nicht nur Plattformen wie Good Jobs, sondern auch zahlreiche Arbeitgeber-Zertifikate, mit denen Unternehmen ihre eigene Nachhaltigkeit belegen können. Anna, was hältst du von solchen Labels?

AP: Also erstmal muss natürlich unser Ziel sein, solche Labels nicht mehr zu brauchen, weil alle Jobs grundsätzlich gut sind. Allgemein halte ich von solchen Labels nicht viel, weil es mittlerweile dermaßen viele davon gibt, dass man nicht mehr unterscheiden kann, wo wirklich ein guter, nachhaltiger Job dahintersteckt und wo nicht. Sie verschleiern eher. Wie bei Lebensmitteln. Überall sind irgendwelche grünen Blätter darauf zu sehen, aber Nachhaltigkeit steckt gewiss nicht drin.

PB: In der Praxis glaube ich nicht, dass wir irgendwann mal sagen können: Alle Arbeitsplätze sind nachhaltig. Vielleicht sind irgendwann mal alle Jobs klimaneutral. Aber wir wissen ja, wenn wir auf dieser Welt weiterhin so viel Schaden verursachen, hilft uns Klimaneutralität auch nicht mehr weiter. Deshalb wollen wir uns bei GoodJobs auch nicht mehr auf alle nachhaltigen Unternehmen konzentrieren, sondern auf die nachhaltigsten 10 Prozent. Also auf die, die versuchen, die Grenzen weiter nach oben zu pushen.

Kleine Zeitreise ins Jahr 2045: Deutschland ist hoffentlich klimaneutral. Wie sieht in einer idealen Welt der Arbeitsplatz der Zukunft aus – was wird es weiterhin geben, was haben wir hinter uns gelassen?

PB: Wenn ich mir das Jahr 2045 vorstelle, stelle ich mir vor, dass mehr Menschen, Spaß haben an dem, was sie tun und dass sie dies ohne Zwang und auch nicht für einen bestimmten Lebensstil tun. Und dafür ist ein nachhaltiger Arbeitsmarkt ziemlich wichtig. Weil viele Leute nicht an die Unternehmen glauben, die es da gerade auf dem Markt gibt. Aber wir müssen ja an die Organisationen und deren Zweck glauben, sonst funktioniert es nicht auf Dauer.

AP: Eine Sache, die du angesprochen hast, halte ich für unglaublich wichtig: dass wir Jobs haben, die uns erfüllen. Andererseits stehen wir aktuell ganz woanders. Also sollte das Ziel einer guten Arbeitsmarktpolitik sein, dass jedem Menschen ein guter Job garantiert werden kann, einer, der zu ihm oder ihr passt, mit gutem Lohn. Und es steht ja viel Arbeit für uns alle an: Wir werden unsere Kommunen umbauen müssen, wir werden Mobilität anders gestalten müssen. Straßen werden hoffentlich autofrei sein, in dem Zuge müssen auch Straßen und Gehwege, Parks und Grünflächen umgebaut werden.

PB: Allein die Symbolkraft von so einer Idee finde ich sehr sympathisch. 2045 haben sich hoffentlich die Paradigmen verändert, dass man nicht mehr arbeiten muss für etwas, sondern arbeiten kann, darf, will. Denn genau das wird einem ja eigentlich abtrainiert in unserem heutigen System. J

Das ist der Schlusssatz?

PB: Der ist als Forderung zu verstehen! Wir sind ja nicht hoffnungslos, im Gegenteil. Und 2045 …

… seid Ihr im besten Kanzler*innenalter.

PB: Wenn es dabei bleibt, dass die Alten alles bestimmen, dann auf jeden Fall.

Fotos: Stefan Hähnel

Dieser Beitrag ist Teil unserer Interviewserie „Der Arbeitsplatz der Zukunft ist …“ – entstanden in Kooperation mit everyworks. Hier gehts zu Folge 01.